A Toy Story - Alles hört auf kein Kommando

USA 2019

Genre: Animationsfilm, Komödie, Kinderfilm

Laufzeit: 100 Minuten

Regie: Josh Cooley

Drehbuch: Andrew Stanton, Stephanie Folsom

Produzenten: Pete Docter, Andrew Stanton, Lee Unkrich

Musik: Randy Newman

Schnitt: Axel Geddes

Besetzung (deutsche Stimmen): Michael „Bully“ Herbig, Michi Beck, Sonja Gerhardt, Rick Kavanian u. a.

FSK: ohne Altersbeschränkung

Altersempfehlung: ab 8 Jahren

Klassenstufe: ab 3. Klasse

Themen: Spielzeug, Charaktere des Kinderzimmers, Abfall, Stoffkreisläufe, Nachhaltigkeit, (Bio)Kunststoff als Material, Re- und Upcycling

Unterrichtsfächer: Sachunterricht/Naturwissenschaften, Lebenskunde/Ethik, Deutsch, Kunst

Inhalt des Films

A TOY STORY – ALLES HÖRT AUF KEIN KOMMANDO ist der vierte Film aus der Reihe der TOY-STORY-Produktionen. Dementspre­chend wird er mitunter auch unter dem Titel TOY STORY 4 geführt.

Das Grundkonzept ist unverändert: Erzählt wird aus der Welt von Spielzeugfiguren, die ein eigenständiges Leben führen, ohne dass die sie besitzenden Kinder davon etwas ahnen. Die Spielzeuge sind so etwas wie heimliche Regisseur*innen, die dazu beitragen, dass Gefahren und Enttäuschungen von den Kindern abgewendet werden.

Auch in A TOY STORY – ALLES HÖRT AUF KEIN KOMMANDO treten Figuren aus den vorange­gangenen Filmen auf. Dazu gehören der guther­zige Cowboy Woody und der Astronaut Buzz Lightyear. Sie und einige andere Spielzeug­figuren wurden von ihrem früheren Besitzer Andy, der mittlerweile aufs College geht, an das Nachbarsmädchen Bonnie weitergegeben. Bonnie soll demnächst die Vorschule besu­chen und nimmt vor dem eigentlichen Start ins Schuljahr an einem Schnuppertag teil. An diesem Tag bastelt sie aus einer alten Plas­tikgabel (genau genommen einem „Göffel“, einer Mischung aus Gabel und Löffel) eine lustige Figur, die sie Forky nennt. Sie schließt Forky sofort in ihr Herz und erklärt ihn zu ihrem wichtigsten Spielzeug. Der fürsorgliche Cowboy Woody wiederum erklärt es zu seiner wichtigsten Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Forky nicht verloren geht, damit Bonnie nicht unglücklich wird.

Das erweist sich aller­dings als kaum zu lösende Aufgabe, denn Forky hält sich für Müll und nutzt jede Gelegen­heit sich selbst wegzu­werfen. Als Bonnies Familie zu einem Ausflug mit dem Wohnmobil aufbricht, spitzt sich das Problem zu: Forky geht verloren und Woody stürzt sich aus dem fahrenden Auto, um ihn wieder einzufangen.

Auf dem langen Fußweg zum Campingplatz bemüht sich Woody, dem zweifelnden und verzweifelten Forky zu erklären, dass seine Aufgabe und Verantwortung als Spielzeug darin liegt, Bonnie glücklich zu machen. Kurz bevor sie das Ziel erreichen, macht Woody eine Entde­ckung: In einem Spielzeugladen findet er eine Spur zu der Schäferin Porzellinchen, die er viele Jahre zuvor aus den Augen verloren hat (die Szene wird zu Beginn des Films als Rückblende erzählt, um zu zeigen, wie wichtig Porzellinchen für Woody war).  

Statt auf die Schäferin stoßen Woody und Forky in dem etwas unheimlichen Geschäft allerdings nur auf die Puppe Gabby Gabby, die mit einer sonderbaren Truppe von Bauchrednerpuppen über den gesamten Laden herrscht. Gabby Gabby entdeckt, dass Woody über ein elektro­nisches Sprechmodul verfügt, das bei ihr selbst nie richtig funktioniert hat, weswegen sie auch nie das Glück hatte, von einem Kind in die Arme geschlossen zu werden.

Gabby Gabby setzt Forky und Woody fest, um an das Sprechmodul zu kommen. Woody kann sich allerdings befreien. Auf der Flucht trifft er auf Porzellinchen, deren Leben sich grundlegend verändert hat. Sie gehört jetzt niemandem mehr und führt zusammen mit ein paar Freund*innen ein freies und wildes Dasein. Porzellinchen erklärt sich bereit, Woody bei der Befreiung von Forky zu helfen. Zur Unter­stützung verbünden sie sich mit dem Motor­radfahrer Duke Caboom, der schwer darunter leidet, dass sein aufziehbares Motorrad nicht annähernd so gute Sprünge schafft, wie es in Werbeclips dargestellt wird.

Zur gleichen Zeit macht sich auch der mitge­reiste Buzz Lightyear auf den Weg, um Woody und Forky zu finden. Die Zeit drängt, denn Bonnie ist unglücklich darüber, dass Forky verschwunden ist. Zudem will die Familie schon bald wieder abreisen. Nach einigen Verwick­lungen und einem gescheiterten Befreiungsver­such dringt Woody auf eigene Faust bis zu Forky durch. Er wird jedoch von Gabby Gabby fest­gesetzt und gezwungen, das Sprechmodul zu opfern. Im Zuge seiner Aktion versteht Woody allerdings, dass Gabby Gabby gar nicht so grausam ist, wie sie sich gibt, sondern vor allem darunter leidet, dass sie nie von einem Kind geliebt wurde.

Damit stellen sich für ihn noch zwei Heraus­forderungen: Gabby Gabby an ein Kind vermit­teln und Forky zurück zu Bonnie bringen, deren Familie sich im Wohnmobil bereits auf den Weg gemacht hat. Beides gelingt in einem turbu­lenten und emotionalen Filmfinale.

Nachdem alles geschafft ist und nur noch der Abschied von Porzellinchen zu überstehen ist, trifft Woody eine überraschende Entscheidung: Er erklärt, dass er nun genug für die Kinder getan hat, denen er in den letzten Jahren gehört hat. Fortan will er ein Leben in Freiheit und an der Seite von Porzellinchen führen.

Filmische Umsetzung

Wie schon die vorherigen TOY STORY-Filme glänzt auch dieser mit brillanten und lebens­nahen Animationen. Die Ausdrucksstärke der Figuren ist enorm, Schauplätze wie der Jahrmarkt oder der etwas unheimliche Spiel­zeugladen leben von zahlreichen Details und einer stimmigen Atmosphäre.

Nicht weniger anspruchsvoll und vielschichtig ist die Handlung: Aus dem dramaturgischen Konzept entwickelt das Pixar-Team eine ganze Reihe intelligenter Handlungsstränge und erschafft interessante Charaktere, angefangen von dem feinfühligen und etwas eigensinnigen Cowboy Woody, dem eine kampfeslustige Schä­ferinnenpuppe mit Führungsqualitäten gegen­über gestellt wird. Während die beiden gängige Geschlechterklischees unterlaufen, tritt Forky ohne eine eindeutige Geschlechtszuordnung in Erscheinung. In Texten zum Film wird sie grammatisch meist als männliche Figur behan­delt. Wenn man die Bestandteile eines „Göffels“ betrachtet (der Löffel, die Gabel), gibt es dafür zumindest im Deutschen keinen zwingenden Grund.

Auch unter den Nebenfiguren haben einige durchaus einen gebrochenen Charakter: Gabby Gabby empfindet das von Anfang an defekte Sprachmodul als tief sitzenden Makel, auch Duke Cabooms Ego ist durch die Diskrepanz zwischen Realität und beschönigenden Werbe­botschaften stark angekratzt. Die eigentliche Botschaft dieser Spielzeuge an die Kinder lautet nicht: ,Spiel mit mir!‘, sondern: ,Lass dich nicht durch Kränkungen und Zurückweisungen aus der Bahn werfen – glaub an die Kraft von Freundschaft und Hilfsbereitschaft.‘

Für filmerfahrene Zuschauer*innen ist der Film nicht nur wegen der differen­zierten Charaktere sehr anre­gend, sondern auch wegen der Anspielungen an Genrefilme, in diesem Fall vor allem Anklänge an den Horrorfilm, wenn Woody und Forky in die Hände der anfangs noch grausam wirkenden Gabby Gabby geraten.

Im Zusammenhang mit dem Wissenschaftsjahr 2020 ist die Rolle von Forky interessant. Die Diskrepanz zwischen Bonnies Entzücken und Forkys Hang zur Selbstverdammung führt gera­dewegs zu der Frage, wann und unter welchen Umständen wir einem Gegenstand einen Wert beimessen und wann wir ihn als Müll bewerten. Obwohl sich der Film darüber hinaus nicht mit Umweltthemen beschäftigt, lässt sich der Umgang mit Plastik und anderen Wertstoffen unmittelbar aus der Dramaturgie des Films ableiten. Darüber hinaus liegt die Verarbeitung von Dingen, die sonst im Müll landen würden, unter dem Namen „Upcycling“ im Trend – daran lässt sich im Unterricht gut anknüpfen. Der genauere Blick auf das Material Plastik führt schließlich direkt in die aktuelle bioökonomi­sche Forschung und zu der Frage, wie erdölba­sierte Kunststoffe ersetzt werden können. Hier bekommen die Schüler*innen die Möglichkeit, ein aktuelles bioökonomisches Forschungs­thema kennenzulernen.